Margaret Salmon

Margaret Salmons filmische Ton- und Bildorchestrationen adaptieren Techniken aus Filmbewegungen wie dem Cinéma Vérité, dem italienischen Neorealismus und der europäischen Avantgarde und führen sowohl formale Abstraktionen als auch räumliche Interventionen in die Tradition des realistischen Films ein. Salmons Werk, das oft individuelle Personen in den Mittelpunkt stellt, fängt das alltägliche Kleinklein menschlicher Erfahrung ein und verleiht ihm eine neue Eindringlichkeit, Poesie, subtile Erhabenheit, Lyrizität und Abstraktheit. Kann man im Film womöglich etwas so Flüchtiges wie menschliche Wärme, Zuneigung, Präsenz, Vertrauen und Unterwerfung wiedergeben? Was ist mit Liebe? Kann ein Film Liebe bezeugen? Liebe ausdrücken? Wie kann eine Kameralinse diese sehr persönlichen subjektiven Erfahrungen heraufbeschwören? Dies sind einige der Fragen, die im Zentrum ihrer sehr eindringlichen filmischen Praxis stehen. I you me we us (2018) ist ein stummer 16-mm-Zweikanal-Film, der auf zwei gestapelten Würfel-Monitoren gezeigt wird. In diesem Werk gestikulieren die Hände von Familienmitgliedern und Liebenden, spielen, bewegen sich, berühren sich und schreiben kleine Notizen, unterbrochen durch Abbildungen von Pflanzen und Blumen, die unter farbige Lichter gehalten werden. Der Film zeigt Nahaufnahmen, in deren Mittelpunkt die Intimität steht, wenn wir Zuneigung durch Berührung zeigen. Er porträtiert visuelle Repräsentationen von Wärme, Empathie, Fürsorge, Verwandtschaft und Wachstum. Im Gegensatz zur entmaterialisierten, körperlosen Welt des Internets erinnert Salmons Werk auf eindringliche Weise an den wichtigsten Bestandteil von Liebe, Zuneigung, Fürsorge und Verwandtschaft: die menschliche Präsenz und Interaktion. Dieses Werk und ihr Werk im Allgemeinen kann als Gegenmittel zu kapitalistischen und konsumorientierten Darstellungen von Sex gesehen werden, die oft völlig losgelöst von der Realität unserer Körper und den sexuellen Beziehungen sind, die wir mit anderen pflegen.

Margaret Salmon