Lauren Lee McCarthy & Kyle McDonald

Lauren Lee McCarthy ist eine Künstlerin, die soziale Beziehungen in Zeiten von Überwachung, Automatisierung und eines von Algorithmen geprägten Lebens untersucht. Kyle McDonald ist ein Künstler, der mit Codes arbeitet. Er beschäftigt sich mit den Möglichkeiten neuer Technologien, um ihren Einfluss auf die Gesellschaft zu verstehen und alternative Zukunftsentwürfe zu schaffen. Beide sind sowohl unabhängig voneinander als auch gemeinsam künstlerisch tätig. Für Social Turkers vereinbarte McCarthy 20 Dates mit Personen, mit denen sie sich auf der Online-Datingseite OkCupid verabredete. Per Smartphone streamte sie diese Dates online. Sie bezahlte Arbeiter_innen auf der Seite Amazon Mechanical Turk dafür, ihr dabei zuzusehen, das Geschehen zu interpretieren und ihr Anweisungen zu geben, was sie als Nächstes tun oder sagen sollte. Diese Anweisungen wurden ihr per SMS kommuniziert, und sie musste sie sofort ausführen. Was wäre, wenn wir ein Echtzeit-Feedback für unsere sozialen Interaktionen bekommen könnten? Wären Dritte, die uns beobachten, besser in der Lage, die Abläufe zu deuten und Entscheidungen für die Beteiligten zu treffen? Könnte uns das helfen, unsere Beziehungen bewusster zu begreifen? Könnte es uns aus gängigen Verhaltensmustern heraushelfen und uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnen? Pplkpr (von McCarthy und McDonald) ist eine App, die Beziehungen trackt, analysiert und selbständig managt. Mit Hilfe einer Smartwatch überwacht pplkpr physische und emotionale Reaktionen auf Menschen im direkten Umfeld und nutzt maschinelles Lernen, um das Sozialleben entsprechend zu optimieren. Als Intervention untersucht Pplkpr, was ein quantifiziertes Leben für Beziehungen bedeutet. Die App gibt sich als Startup aus, um die technologie-fetischistischen Lösungsansätze der Startup-Kultur zu kritisieren.

Us+, ebenfalls von McCarthy und McDonald, ist eine Videochat-App über Google Hangouts, die Analysen von Audioaufnahmen, Gesichtsausdrücken und Linguistik nutzt, um Unterhaltungen mit Hilfe der LIWC-Datenbank (Linguistic Inquiry Word Count) und des Konzepts des Linguistic Style Matching (LSM) zu optimieren. Die App zeigt Visualisierungen, benachrichtigt die Teilnehmer_innen mit Popup-Meldungen und agiert selbständig (z. B. durch automatisches Stummschalten), wenn die Unterhaltung aus dem Ruder läuft.

Lauren Lee McCarthy & Kyle McDonald