Gabriel Abrantes & Benjamin Crotty

Gabriel Abrantes ist ein Filmemacher, dessen Praxis auf der Erforschung der kinematographischen Sprache beruht. Er behandelt historische, politische und soziale Themen mit besonderem Schwerpunkt auf Postkolonialismus-, Gender- und Identitätsfragen. Seine Filme, die Folklore, aktuelle Realitäten und Politik streifen, erschaffen Schichten von ungewöhnlichen Leseweisen, indem sie traditionelle Narrative unterlaufen und auf absurden Humor setzen. Hollywoodästhetik wird dabei mit dokumentarischen und experimentellen Filmtechniken sowie mit digitalen und analogen Technologien gemischt. Artificial Humours (2016) folgt einem indigenen jungen Mädchen aus Mato Grosso (aus Canarana und den Yawalapiti- und Kamayurá-Dörfern im brasilianischen Xingu-Reservat) nach São Paulo, wo sie sich in einen Roboter verliebt, der zufällig auch Stand-Up-Comedian ist. Die skurrile Erzählung verbindet Anthropologie des Humors, indigene Gemeinschaften, Liebesgeschichte und künstliche Intelligenz, stellt aber auch Vorstellungen von Tradition und Fortschritt einander gegenüber und erinnert an die Binsenweisheit, dass Liebe – wie Schönheit – im Auge der Betrachtenden liegt. Liberdade (2011), den Gabriel Abrantes zusammen mit dem Künstler Benjamin Crotty drehte (eine Zusammenarbeit, die bis auf das Jahr 2008 zurückgeht), kann auch als philosophische Liebesgeschichte verstanden werden, die gleichermaßen Rückschlüsse aus den Auswirkungen von Kolonialismus, Besatzung und Globalisierung zieht. Der in Angola gedrehte und ebenfalls in einer großen Bandbreite von politischen, sozialen und materiellen Kontexten angesiedelte Film – ein visuell hinreißendes Märchen über Romantik, Verbrechen und erektile Dysfunktion – schildert die Geschichte einer Beziehung zwischen einem angolanischen Jungen und einem chinesischen Mädchen, die versuchen, sich eine gemeinsame, transkulturelle Identität aufzubauen.

Gabriel Abrantes & Benjamin Crotty